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Mobbing am Arbeitsplatz: Schmerzensgeld und Schadenersatz

Es fing ganz subtil an: Bei Meetings wurde jedem Mitarbeiter ihres Büros automatisch eine Kaffeetasse hingestellt, nur Anna L. nicht. Sie dachte sich nichts dabei, zumindest nichts Schlimmes. Doch im Laufe der nächsten Monate wurde sie systematisch immer mehr und mehr von ihren Kollegen ausgegrenzt: Sie vergaßen, ihr mitzuteilen, wann die nächste Besprechung stattfindet, schickten ihr keine Aufgabenlisten mehr, entfernten sie zum Schluss ganz aus dem Office Newsletter. Anna wurde Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz. Der Grund: Obwohl sie erst einige Monate in dem Büro arbeitete, leistete sie schnellere und bessere Arbeit als so manch anderer langjähriger Mitarbeiter. Anna kündigte schließlich. Etwas Gutes hatte die Sache dann doch: Anna fand nicht nur einen Arbeitsplatz mit kollegialeren Mitarbeitern, sondern bekam vom Arbeitsgericht eine zweistellige Summe Schadenersatz.

Wann gilt das Recht auf Schadenersatz bei Mobbing?

Annas Fall ist längst kein Einzelfall. Immer häufiger kommt es in den letzten Jahren zu Mobbing am Arbeitsplatz. Diese Entwicklung hat oft etwas mit dem heutigen gesellschaftlichen Leistungsdruck zu tun: Überforderung und Frustration entladen sich in Form von Mobbing an Kollegen. In vielen Fällen scheuen die Betroffenen die direkte Konfrontation und kündigen schließlich einfach. Doch es geht auch anders: Mobbingfälle sind nach den allgemeinen gesetzlichen Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes zu behandeln. Betroffene von Mobbing können Schmerzensgeld erhalten, wenn eine systematische und zielgerichtete Verletzung von Körper, Gesundheit, Freiheit oder sexueller Selbstbestimmung vorliegt. Schmerzensgeld dient hierbei dem Ausgleich von immateriellen Schäden des Körpers und der Psyche. Schadenersatz soll materielle Schäden ausgleichen, die zum Beispiel durch Behandlungskosten entstanden sind.

Wie beweisen, dass Mobbing vorlag?

Arbeitnehmer, die vor Gericht Schadenersatz durchsetzen wollen, müssen beweisen, dass sie gemobbt wurden. Die einzelnen Mobbingaktivitäten müssen konkret nach Zeit, Ort und beteiligten Personen dargelegt werden. Es empfiehlt sich bei Mobbing also unbedingt, detailliert aufzuschreiben, wer wann gemobbt hat und wer diese Tat bezeugen kann. Außerdem sollte ein Gutachten eines Psychiaters vorliegen, das darlegt, dass immaterielle Schäden wirklich durch Mobbing entstanden sind.

Wer zahlt bei Mobbing Schadenersatz?

In der Regel müssen die Mitarbeiter, die tatsächlich gemobbt haben, Schadenersatz leisten. Der Arbeitgeber muss zahlen, wenn er von dem Mobbing wusste und nichts unternommen hat, denn das verstößt gegen seine Fürsorgepflicht. Übrigens: Da die Entschädigung keinen Lohncharakter hat, muss sie auch nicht versteuert werden.

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